Am Abend des 23. Februar 2026 hat das Kollektiv „Stoppt Täter“ ein neues Statement auf ihrer Instagramseite veröffentlicht. Anders als dargestellt wurde der Großteil der Arbeit zu diesen Vorwürfen von Genoss:innen der FKO gestemmt, weshalb auch wir ausführlich Stellung beziehen. Im folgenden Statement werden wir entgegen unserer bisherigen Vorgehensweise detailliert unsere Einschätzung des Falls, der Vorwürfe und der Arbeit, die dazu statt gefunden hat, darlegen. Wir werden uns außerdem erneut zur Vorgehensweise des Kollektivs „Stoppt Täter“ äußern. Die Person welche die Vorwürfe erhebt nennen wir im weiteren Verlauf A.. Hier besteht kein Zusammenhang zum Anfangsbuchstaben von ihrem tatsächlichen Namen.
In unserem letzten Statement haben wir umfangreich dargelegt, warum wir die Veröffentlichung von Details zu Fällen von patriarchalem Fehlverhalten und Gewalt grundsätzlich nicht zielführend finden. Die Entscheidung in diesem Fall anders zu handeln ist daher nicht leichtfertig getroffen worden, sondern der besonderen Situation geschuldet in der wir uns befinden. Wir sehen uns gezwungen deutlich mehr Details über die Beziehung von A. und J., sowie über den Kontakt von unseren Genoss:innen zu A. bekannt zu geben, als es sonst der Fall wäre. Allerdings zwingt uns das auch, über die psychische Gewalt gegen unserer Genossin, die den Fall mitbearbeitet hat, in einer Form öffentlich zu sprechen, wie sie es unter anderen Umständen sicherlich nicht gewollt hätte.
Inhaltlich wird uns in dem Statement vorgeworfen, uns aktiv mit einem Täter zu solidarisieren, der über mehrere Jahre psychische und sexualisierte Gewalt gegenüber seiner vergangenen Beziehungspartnerin ausgeübt haben soll. Dem Vorwurf, dass wir uns aktiv mit einem Täter solidarisieren und eine Betroffene isolieren, stellen wir uns klar entgegen.
Das Statement wurde von einer Person verfasst, die über mehrere Jahre psychische Gewalt und physische Grenzüberschreitungen in ihrer Beziehung ausgeübt hat. Diese Gewalt gegen ihren ehemaligen Partner setzt sich in diesem Statement fort. Neben der Gewalt gegenüber ihm ist A. im letzten Jahr, und insbesondere in den letzten drei Monaten, dazu übergegangen auch gegen Genoss:innen von uns psychische Gewalt anzuwenden und zu versuchen diese zu erpressen, um ihr Verhältnis zu J. aufrecht zu erhalten. Uns ist die Schwere unserer Anschuldigungen bewusst, weshalb wir uns entschieden haben in einem unteren Abschnitt umfangreich darzulegen, wie wir zu dieser Einschätzung gelangt sind und durch welche Nachweise sie gestützt wird.
Die Rolle von „Stoppt Täter“
Anschließend an unsere vor wenigen Wochen veröffentlichte Kritik möchten wir hier erneut die besondere Rolle des Kollektivs „Stoppt Täter“ hervorheben. Selbst nach öffentlichen Kritiken an von ihnen veröffentlichten Falschinformationen, sowie der Veröffentlichung von Informationen entgegen dem Willen einer Betroffenen hat das Kollektiv keine Notwendigkeit gesehen Stellung zu beziehen oder die eigene Vorgehensweise zu hinterfragen. Im Gegenteil, weiterhin werden unüberprüft und unhinterfragt Informationen, Anschuldigungen und Verdächtigungen ins Internet gestellt. „Stoppt Täter“ ist keine Plattform, die im Sinne von betroffenen Personen handelt. Sie nutzen die psychische Ausnahmesituation einer Frau bewusst aus, um ihren politischen Konflikt mit uns zuzuspitzen. Wie sie selbst in Statements formulieren, ist ihr Ziel die absolute politische Isolation der FKO und die innere Zersetzung unserer Strukturen.
Dieses Verhalten ist verantwortungslos gegenüber der Frau in diesem Statement und allen Betroffenen von patriarchaler und sexualisierter Gewalt. Es ist verantwortungslos Statements, die einem geschickt werden, ohne jede Arbeit dazu zu überarbeiten und zu veröffentlichen. In diesem Fall macht sich „Stoppt Täter“ zu Kompliz:innen in der Ausübung psychischer Gewalt und trägt dazu bei, eine monatelange Erpressungssituation durch A. über das Internet fortzuführen. Es ist verantwortungslos unter dem Banner des Betroffenenschutzes eine Plattform aufzubauen, die sich vor allem darauf konzentriert die realen oder vermeintlichen Fehler von Frauen und Organisationen, die Arbeit zu Fällen von patriarchalem Fehlverhalten und Gewalt machen, anzugreifen und den Tätern nur noch einen Nebenschauplatz einzuräumen. Kritiken zu äußern und Fehler aufzudecken ist richtig. Gleichzeitig ist die Arbeit mit Fällen von patriarchalem Fehlverhalten und Gewalt notwendig, aber auch komplex und erfordert Ernsthaftigkeit. Wir fordern keine Fehlerfreiheit in der Kritik, keine Perfektion, aber was wir fordern ist, dass wenn man zu Fällen arbeitet, man das gewissenhaft macht und mit der ehrlichen Motivation, gegen das Patriarchat zu kämpfen. Diese Absicht können wir bei „Stoppt Täter“ schon seit langer Zeit nicht mehr erkennen.
In diesem Statement werden wir die Arbeit zu diesem Fall ausführlich darlegen, weil wir durch die Arbeitsweise von „Stoppt Täter“ dazu gezwungen werden. Wir tun das, weil „Stoppt Täter“ weit hinaus gewachsen ist über eine Plattform, die uns und unsere Arbeit kritisiert. Dass wir diese Kritik zulassen und Konsequenzen daraus ziehen haben wir in den letzten anderthalb Jahren mit dem Umbau unserer Strukturen und mehreren hundert Selbstkritikgesprächen mit anderen Organisationen, Einzelpersonen und Betroffenen gezeigt und werden dazu auch in Zukunft immer bereit sein.
Bevor wir den aktuellen Fall aufrollen wollen wir eines betonen: Wir halten an unserem Prinzip Betroffenen zu glauben und parteiisch auf ihrer Seite zu stehen, fest. Wir veröffentlichen diesen Fall, weil genau dieses Prinzip durch „Stoppt Täter“ instrumentalisiert wird, um eine öffentliche Drucksituation aufzubauen und wir sehen die Notwendigkeit, das zu beenden. Wir werden nicht zulassen, dass unsere Statements in Zukunft genutzt werden, um Betroffene zu diffamieren. Dass wir nun gezwungen werden, uns deutlich gegen A. und ihre Schilderungen zu positionieren, schafft aber genau diese Grundlage. Die Verantwortung dafür trägt aber „Stoppt Täter“ selber. Das ist das Ergebnis von ihrem eigenen Umgang, indem sie Betroffene für ihre eigenen Zwecke benutzen.
Wir stehen weiterhin dafür ein, dass Betroffenen- und Täterarbeit keine unvereinbaren Arbeitsbereiche sind und dass es im Sinne der Betroffenen immer gilt diese zu priorisieren. Für uns ist das keine Floskel, sondern es bildet seit langer Zeit – bei allen Fehlern, die wir dabei gemacht haben – die Grundlage unserer Arbeit und wird das auch in Zukunft. Unsere klare Gegenpositionierung zu den neuen Vorwürfen ändert an diesem Prinzip nichts.
Wir stehen an diesem Punkt als gesamte Bewegung in der Verantwortung, die Diskussionen der letzten anderthalb Jahre fortzusetzen. Nicht mit einem Fokus auf „Stoppt Täter“, sondern darauf, wie überall dort, wo es nötig ist, Strukturen zur Unterstützung von Betroffenen und zum Umgang mit patriarchalem Fehlverhalten und Gewalt aufgebaut werden können.
Zu den Vorwürfen
In diesem Fall handelt es sich um die Arbeit zu zwei Personen (A. und J.), die sich für zweieinhalb Jahre in einer Beziehung miteinander befanden. Seit Beginn der Beziehung wurde diese von unserer Seite aus kritisch betrachtet aufgrund der persönlichen Situation und Eigenschaften beider, die in Kombination immer wieder zu Konflikten geführt haben. Hier ging es insbesondere darum, wie mit eigenen Emotionen umgegangen wird und welche Rolle die eigenen Bedürfnisse innerhalb der Beziehung spielen.
In den insgesamt zweieinhalb Jahren zeichnete sich eine Dynamik aus Abhängigkeit und Grenzüberschreitungen ab. Im Verlauf dieser Beziehung kam es von beiden Seiten zu falschen Verhaltensweisen und in diesem Statement geht es nicht darum, J. von jeder Verantwortung frei zu sprechen. J. schaffte es nicht, innerhalb der Beziehung eigene Bedürfnisse oder Grenzen zu kommunizieren und dort, wo er es versuchte, kam es immer wieder zu Grenzüberschreitungen durch A. Hinzu kam ein Mangel an klarer Kommunikation auf beiden Seiten. Zu einem späteren Zeitpunkt kam es auch zu Formen der psychischen Gewalt und physischen Grenzüberschreitungen
durch A. gegen J.
Seit Frühling 2024 gab es immer wieder Gespräche zur Beziehung mit beiden Personen, zunächst von den Kommunistischen Frauen, ab August 2024 durch die FKO. Von ca. September 2024 bis März 2025 gab es keinen Austausch zur Beziehung, da sich J. auf Grund von Druck durch A. vollständig aus der politischen Arbeit und von sozialen Kontakten zu Genoss:innen zurückgezogen hatte und nur spärlicher Kontakt bestand.
Seit wir von den Konflikten innerhalb der Beziehung wissen, haben wir offen gegenüber beiden Beteiligten vertreten, dass es richtig wäre die Beziehung zu beenden, da sie sich gegenseitig schaden und es unserer Meinung nach nicht möglich war innerhalb der Beziehung an Verhaltensveränderungen zu arbeiten und somit das schädliche Verhältnis aufzubrechen. Das wurde von A. offensiv abgelehnt. J. hingegen hat im April 2025 die Beziehung beendet und wollte wieder Teil der FKO werden. Von hier an begann A. über verschiedene Methoden Druck auf eine Genossin der FKO auszuüben.
Nach der Trennung initiierte A. unter dem Vorwand von Vorwürfen gegen J. im Frühling 2025 ein Treffen mit einer Genossin der FKO. Im Gegensatz zu der Ankündigung, über Vorwürfe sprechen zu wollen, thematisierte A. in dem Gespräch vor allem eine Einschätzung von J., seiner psychischen Probleme und warum er nicht fähig sei eigenständig über das Ende der Beziehung zu entscheiden. Es offenbarte sich ein tiefes Abhängigkeitsverhältnis zu J. und zugleich ein massiv grenzüberschreitendes Verhalten, indem sie versuchte, J. in eine erneute Aufnahme der Beziehung zu drängen. Sie argumentierte, dass dieser aufgrund von vergangenem Fehlverhalten ihr gegenüber
zu einer Wiederaufnahme der Beziehung verpflichtet sei, um an seinem Verhalten zu arbeiten und nicht davor wegzulaufen. Sie offenbarte die Überzeugung, dass nur sie einen wahren Zugang zu J. habe und ihm dabei helfen könne, sein Trauma und daraus resultierendes Verhalten aufzuarbeiten.
In diesem Gespräch nannte sie J. „einen Täter“. Darauf wurde sie angesprochen und ihr gesagt, dass wir, wenn sie Vorwürfe gegen ihn hat, wir mit ihr darüber sprechen wollen, um handeln zu können. Sie äußerte jedoch keine Vorwürfe gegen J., sondern versuchte stattdessen über anderthalb Stunden die anwesende Genossin davon zu überzeugen ihr zu helfen, die Beziehung zu J. wieder
aufzubauen. A. wollte bis zum Ende des Gesprächs kein Nein akzeptieren. Am Ende wurde ihr erneut ein Gespräch angeboten, um über Vorwürfe zu sprechen. Ab diesem Zeitpunkt mied sie jedoch den Kontakt zur Genossin der FKO.
Das Ergebnis dieses Gesprächs war unter anderem die Kritik, dass J. das Bett nicht richtig bezogen habe und sie ihm unterstellte, er würde das mit Absicht machen um ihr zu schaden, damit sie nachts friere. Als sie ihn dafür kritisierte habe er gesagt das sei ihm egal, das wiederum wertet A. als Gewalt. Bereits in diesem Gespräch haben wir der Einschätzung widersprochen.
J. und A. nahmen im weiteren Verlauf ohne Wissen der FKO erneut eine Beziehung zueinander auf, die sie bis Oktober 2025 weiterführten. Erst kurz bevor J. die Beziehung erneut beendete erfuhr die FKO aus Zufall von dem bestehenden Verhältnis. Anschließend wurde J. unmittelbar damit konfrontiert. Es wurde klar eingefordert, dass er Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt, denn ihm war die schädliche Dynamik in der Beziehung zu diesem Zeitpunkt bereits in Teilen bewusst. Ihm wurde erneut von der Weiterführung einer Beziehung abgeraten.
Er legte offen, dass A. trotz ihrem Auszug einen Monat zuvor noch über einen Schlüssel zu seiner Wohnung verfügte. Diesen besaß sie, weil sie beim Auszug argumentierte, dass eine Abgabe des Schlüssels sie retraumatsiere und sie diesen nur in absoluten Notsituationen verwenden würde. Entgegen dieser Absprache tauchte A. nach ihrem Auszug fast jeden Tag, auch mitten in der Nacht,
in der Wohnung von J. auf, obwohl er ihr kommunizierte, dass er das nicht möchte. Mit ihm wurde vereinbart, den Schlüssel von A. nach der erneuten Trennung zurück zu verlangen und auf Abstand zu gehen. Das kommunizierte er ihr kurz darauf.
Ab diesem Zeitpunkt wendete sich A. erneut an die Genossin der FKO mit dem Vorwurf der emotionalen Gewalt gegen J., die ab dann mit der Arbeit zu dem Fall betraut wurde. In der FKO wurde ein Arbeitsgremium gebildet, welches ab diesem Zeitpunkt zu dem Fall gearbeitet hat. Zwischen Genoss:innen dieser AG und A. hat daraufhin ein Treffen stattgefunden, mit dem Ziel,
über die Vorwürfe zu sprechen und anschließend einen Umgang zu diskutieren.
Situation seit Oktober / Inhalt des Gesprächs
Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit A., um die Vorwürfe der emotionalen Gewalt zu besprechen, gab es bereits zahlreiche Chatnachrichten von A. an die Genossin der FKO, aber noch keine Aussagen zu konkreten Handlungen von J. Ab diesem Zeitpunkt wurde eine weitere Person der FKO zu den Gesprächen mit A. hinzugezogen. Gemeinsam wurde versucht, Informationen und konkrete
Vorwürfe und Andeutungen, die A. im Chat gemacht hat, zu erfragen.
A. sprach von gezielter Abwertung durch J. Diese erfolgte ihrer Ansicht nach unter anderem dadurch, dass J. in Stresssituationen nicht mit ihr kommunizierte. Sie beschrieb Situationen, in denen J. ihr signalisierte allein sein zu wollen. Sie ignorierte den Wunsch und trat trotzdem immer wieder auf ihn zu, brachte ihm Tee, begann Gespräche und setze sich neben ihn. Damit wurden seine Grenzen mehrmals überschritten. Seine Reaktion darauf war zunächst, sie anzuschweigen, bis er sie in einem genervten Ton aufforderte zu gehen. Diese Situation kam in der Beziehung laut ihrer Aussage mehrmals vor. Im Gespräch mit uns wertete sie sein Verhalten als Gewalt. Eine eigene Grenzüberschreitung sah sie nicht. Sie betonte stattdessen, dass sie immer richtig gehandelt habe und sehr liebevoll zu ihm gewesen sei, J. jedoch nicht in der Lage sei, das zu verstehen. Sein Verhalten ihr gegenüber nahm sie im Gegenteil als abwertend war. Ob ein Verhalten grenzüberschreitend ist oder nicht macht sie also letztlich daran fest wie sie sich damit fühlt. Somit
wird ihr eigenes Verhalten von ihr als richtig bewertet, so lange es sich für sie liebevoll anfühlt und das Verhalten anderer als abwertend ihr gegenüber sobald eine Reaktion sie verunsichert.
Da es in weiteren Chatnachrichten Andeutungen in Form von metaphorischer Sprache gab, die in Richtung sexualisierte und körperliche Gewalt gingen, wurde das in dem Gespräch mit ihr aktiv nachgefragt. Dass es körperliche Gewalt gegeben habe dementierte sie, stattdessen gab es eine Umarmung ihrerseits, die J. nicht wollte, weshalb er sie weggeschoben habe. Zur sexualisierten
Gewalt bezog sie keine klare Stellung. Sie teilte uns mit, dass sie in Streitsituationen mit J. aktiv körperliche Nähe zu ihm initiierte, um die Situation zu beruhigen. Daraufhin kam es in der Regel zu Sex. Die Frage, ob er gewusst haben könnte, dass sie eigentlich gerade kein Bedürfnis danach hat, verneinte sie. Zu diesem Zeitpunkt entstand der Eindruck, dass es eine beidseitige ungesunde Dynamik gab Konflikte in der Beziehung über sexuellen Kontakt zu verdrängen. Sowohl A. als auch J. haben eine aktive Rolle in dieser Dynamik gespielt und tragen beide Verantwortung dafür. Wir wollten mit J. diese Situationen aufarbeiten und mit ihm an patriarchalem Fehlverhalten arbeiten.
Dem hat A. sich jedoch entgegengestellt und uns kommuniziert, dass wir keinerlei Maßnahmen ergreifen dürfen, die dazu führen könnten, dass es keinen Kontakt mehr zwischen ihr und J. gibt. Sie wurde konkret gefragt, welche Handlungsoptionen wir haben. Sie sagte klar, es ist wichtiger dass er sich entschuldigt und es Kontakt gibt, als dass es eine Arbeit mit ihm an seinem Verhalten
gibt. Sie hat uns daraufhin verboten Informationen aus diesem Gespräch für antipatriarchale Arbeit mit ihm zu nutzen und klargestellt, dass sie, wenn wir es tun, alles dementieren wird, was sie gesagt hat. Ihr Ziel des Gesprächs hat sie selbst deutlich kommuniziert. Es ging darum, erneut Druck auf unsere Genoss:innen auszuüben, um Kontakt und eine Beziehung zu J. zu erpressen. Das Gespräch zu beenden war erst dadurch möglich, dass ihr ein Treffen in der gleichen Konstellation zwei Wochen später angeboten wurde, in welchem über den weiteren Umgang gesprochen werden kann.
J. hat zu dem Zeitpunkt selber die Entscheidung getroffen den Kontakt zu A. abzubrechen. Davon haben wir ihn auch nicht abgehalten. Das wirft A. seitdem der FKO vor und es hat kein weiteres Treffen mit ihr stattgefunden. Zeitgleich hat A. begonnen, Genoss:innen in verschiedenen Städten, die sie aus der FKO kennt zu kontaktieren, und ihnen Vorwürfe und Kritiken, die teils im Post benannt werden, zu schreiben. Das stellte sie als Hilferuf dar, da niemand mit ihr sprechen und sie ernst nehmen würde. In Wahrheit nutzte sie diese Nachrichten, um den Druck auf die zuständige Genossin zu verstärken. Ihr wurde danach angeboten, sich mit anderen Genossinnen aus einer anderen Stadt zu treffen. Darauf hat sie nie geantwortet.
Im weiteren Verlauf haben wir die vollständigen Chatverläufe von J. und A. seit Beginn ihrer Beziehung erhalten. Diese bestätigen die schädliche Beziehungsdynamik, Grenzüberschreitungen durch A. und psychische Gewalt, die sie gegen J. ausgeübt hat. Ein weiterer großer Teil unserer Einschätzung stützt sich auf die eigenen Aussagen von A. selber. Gleichzeitig geht aus diesen Informationen auch die Rolle von J. in der Beziehung hervor, der keine Verantwortung übernommen hat, hin und her schwankte, den Kontakt und die Wiederaufnahme der Beziehung zuließ, obwohl er wusste, dass sie mehr für ihn empfand als er für sie. Es ist klar, dass J. ebenso
Verantwortung für sein falsches Handeln ihr gegenüber übernehmen muss. Mit J. wurde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Arbeit zu seinem Fehlverhalten begonnen. Er wurde aus der Arbeit entbunden, hat Konsequenzen erhalten sowie Bedingungen gestellt bekommen, welche wir hier nicht weiter thematisieren werden.
Schlussfolgerung
Dieses Statement erfüllt für uns nicht nur den Zweck, die Vorwürfe zu widerlegen, sondern auch, die Funktion von „Stoppt Täter“ aufzuzeigen. Wir wollen ihnen das Druckmittel der Öffentlichkeit nehmen, indem wir selbst Öffentlichkeit schaffen durch die deutlich offenere Darlegung dieses Falls. Wir haben bereits gesagt, dass wir das politisch ablehnen, aber das die Konsequenz von dem
ist, wie „Stoppt Täter“ selbst agiert. Wir machen das aber auch, weil wir eine Verantwortung haben gegenüber unseren eigenen Genoss:innen. Seit dem ersten Post von „Stoppt Täter“, in welchem die Frauen unserer Strukturen mehr verantwortlich gemacht werden als die Täter selbst, besteht eine permanente psychische Drucksituation für unsere Genossinnen, die wir so nicht länger mittragen.
Der vorgeschobene Kampf gegen patriarchale Gewalt von „Stoppt Täter“ wird ihrerseits ausgefochten mit psychischer Gewalt, die sich eben nicht gegen das Patriarchat richtet, sondern gegen diejenigen, die diese Strukturen tatsächlich aufgebaut haben und diese Arbeit tagtäglich leisten. Bei allen Fehlern, die in der Vergangenheit dabei gemacht wurden. Der Manipulation von uns, von Betroffenen und der Öffentlichkeit setzen wir an dieser Stelle eine deutliche Grenze.




